KI-Strategie
Was kostet KI-Beratung im Mittelstand? Realistische Zahlen 2026
Ich bekomme diese Frage fast jede Woche. Meistens von Geschäftsführern, die das Thema ernst nehmen, aber keine Ahnung haben, was sie erwarten sollen. Verständlich. Der Markt ist unübersichtlich, die Angebote klingen alle ähnlich, und die Preise variieren enorm.
Deshalb dieser Artikel. Keine eigenen Preislisten, sondern realistische Orientierung: Was kostet KI-Beratung am Markt, welche Formate gibt es, und woran erkennen Sie, ob ein Angebot sein Geld wert ist?
Die vier Hauptformate und ihre Preisbereiche
Impuls-Vortrag (500 bis 2.500 EUR)
Ein 60 bis 90 Minuten langer Vortrag, oft online, manchmal vor Ort. Ziel: Orientierung verschaffen. Was kann KI heute wirklich? Was ist Hype, was ist nützlich?
Für wen: Teams, die noch am Anfang stehen und das Thema erstmals gemeinsam einordnen wollen.
Was Sie bekommen sollten: Keine generischen Folien, sondern konkrete Beispiele aus Ihrer Branche. Im besten Fall eine Live-Demo mit echten Werkzeugen.
Was ich oft sehe: Folien, die 2023 erstellt und seitdem nicht aktualisiert wurden. KI entwickelt sich schnell. Fragen Sie ruhig, wann das Material zuletzt überarbeitet wurde.
Workshop (2.000 bis 6.000 EUR)
Ein halber oder ganzer Tag, meist vor Ort. Hier wird nicht nur erklärt, sondern gearbeitet. Die besten Workshops enden mit einem konkreten Ergebnis: einem priorisierten Anwendungsfall, einem klaren nächsten Schritt, manchmal einem ersten Prototyp.
Für wen: Teams, die das Thema durchdringen wollen. Oder Führungsteams, die entscheiden wollen, welche KI-Initiative als nächstes angegangen wird.
Was Sie bekommen sollten: Eine moderierte Analyse Ihrer konkreten Prozesse, nicht allgemeine Theorie. Die Frage "Wo verlieren wir täglich am meisten Zeit?" ist der bessere Einstieg als "Was wissen Sie schon über KI?"
Strategietag (5.000 bis 10.000 EUR)
Ein intensiver Tag für Führungsteams. Ziel: eine fundierte KI-Strategie, die zum Unternehmen passt. Nicht von der Stange, sondern erarbeitet.
Das schließt ein: Wo stehen Sie heute? Welche Prozesse bieten das größte Potenzial? Was sind die Risiken? Wie sieht ein realistischer 12-Monats-Plan aus?
Für wen: Unternehmen ab 30 Mitarbeitern, die KI nicht ausprobieren, sondern strukturiert einführen wollen.
Laufendes Sparring (1.500 bis 4.000 EUR pro Monat)
Kein einmaliges Event, sondern eine Begleitung über mehrere Monate. Regelmäßige Gespräche, Feedback auf konkrete Entscheidungen, Unterstützung bei der Umsetzung.
Sinnvoll, wenn Sie keine eigene KI-Kompetenz aufbauen wollen oder können, aber jemanden brauchen, der mitdenkt, wenn wichtige Entscheidungen anstehen: Welches Tool kaufen wir? Wie schulen wir das Team? Was machen wir mit den Daten?
Woran erkennen Sie, ob eine Beratung ihr Geld wert ist?
Das ist die eigentlich wichtige Frage. Hier sind drei Dinge, auf die ich achten würde:
Prototypen statt PowerPoint. Eine gute KI-Beratung zeigt. Sie macht es erlebbar. Wenn jemand vor Ihnen sitzt und Ihnen erklärt, wie KI Rechnungen verarbeiten kann, ist das in fünf Minuten demonstrierbar. Wenn das nicht passiert, fragen Sie warum.
Ich mache das in jedem Engagement so: Ich baue lieber einen rauen Prototyp, der drei Stunden Arbeit war, als drei Stunden Folien zu erstellen. Ein Prototyp zeigt, was möglich ist. Eine Folie zeigt, was jemand behauptet.
Branchenkenntnis oder ehrliche Offenlegung. KI-Wissen ist das eine. Zu verstehen, wie ein Handwerksbetrieb oder ein mittelständisches Fertigungsunternehmen wirklich funktioniert, ist das andere. Beides zusammen ist selten. Fragen Sie direkt: "Haben Sie Erfahrung in meiner Branche?" Ein guter Berater sagt entweder ja und kann das belegen oder sagt nein und erklärt, wie er damit umgeht.
Konkrete Antworten auf konkrete Fragen. "Das kommt auf Ihren Use Case an" ist keine Antwort, es ist eine Ausweichmanöver. Natürlich kommt es auf den Use Case an. Aber ein erfahrener Berater kann trotzdem sagen: "In Ihrer Situation würde ich mit X anfangen, weil Y. Das kostet ungefähr Z und dauert N Wochen."
Die ROI-Frage: Was spart KI ein?
Lassen Sie mich ehrlich sein: Garantien gibt es nicht. Wer Ihnen verspricht, dass KI Ihre Kosten um 30 Prozent senkt, lügt oder rät.
Was ich aus der Praxis sagen kann: Die größten Einsparungen entstehen dort, wo sich viele kleine Aufgaben wiederholen. Nicht die komplexen, strategischen Entscheidungen, sondern die vielen kleinen Routinen: Texte zusammenfassen, Daten aus Dokumenten extrahieren, einfache Anfragen beantworten, Berichte erstellen.
Eine grobe Daumenregel: Wenn ein Mitarbeiter täglich zwei Stunden mit Aufgaben verbringt, die klar wiederholbar und regelbasiert sind, ist KI dort potenziell relevant. Bei einem Vollzeit-Gehalt von 4.000 EUR brutto entspricht das etwa 1.000 EUR pro Monat, die theoretisch effizienter genutzt werden könnten.
Das heißt nicht, dass KI sofort diese Einsparung liefert. Einführung, Schulung, Fehlerkorrekturen kosten Zeit. Aber es zeigt: Ein einmaliger Workshop für 3.000 EUR amortisiert sich schnell, wenn er drei Anwendungsfälle mit echtem Potenzial identifiziert.
Was ich empfehle: Setzen Sie sich vor dem ersten Beratungsgespräch fünf Minuten lang hin und schreiben Sie auf, welche Aufgaben in Ihrem Unternehmen täglich anfallen und sich anfühlen wie "das muss doch irgendwie einfacher gehen." Diese Liste ist mehr wert als jede Präsentation.
Was kostet zu billig?
Unter 500 EUR für ein KI-Engagement ist meistens kein echtes Engagement, sondern ein Produkt: ein aufgezeichneter Online-Kurs, ein PDF, ein standardisierter Check. Das kann einen Einstieg bieten, ersetzt aber keine individuelle Beratung.
Unter 1.500 EUR für einen ganzen Tag ist ein Warnsignal, kein Schnäppchen. Entweder fehlt die Erfahrung, oder die Vorbereitung ist minimal, oder beides.
Fazit
KI-Beratung kostet, was sie kostet, weil gute Berater knapp sind und der Markt das widerspiegelt. Das bedeutet nicht, dass teurer automatisch besser ist. Aber es bedeutet, dass Sie bei sehr günstigen Angeboten genauer hinschauen sollten.
Mein Rat: Starten Sie mit einem klar abgegrenzten Format. Ein guter Impuls-Vortrag oder ein halber Workshop zeigt schnell, ob die Chemie stimmt und ob jemand wirklich etwas kann. Danach wissen Sie, ob und wie Sie weitermachen wollen.
KI ist kein Hexenwerk. Aber gute Beratung dazu ist auch kein Selbstläufer.